1. Herfried K. Wagner’s VB.Any
  2. Web
  3. Artikel

Design versus Struktur

Kurzfassung

Dieser Artikel wirft einen kritischen Blick auf die Entwicklung des Web, insbesondere auf Webdesign. Anstatt mehr Individuen den Zugang zur Informationsquelle Web zu öffnen, verschließen die angewendeten Techniken oftmals den Zugang zu Informationen.

Einleitung

Wie dem Titel dieses Artikels bereits zu entnehmen ist, geht es in diesem Artikel um Webdesign und Struktur von Daten. Webdesign ist seit einigen Jahren ein prägender Begriff in der IT-Branche und die Lebensgrundlage vieler Menschen, die in diesem Tätigkeitsbereich ihre Arbeit verrichten. Webdesigner erstellen für Unternehmen oder andere Personen Webdokumente auf Basis von vorgelegten Inhalten oder vollkommen auf die eigene Faust. Nahezu jedes Unternehmen präsentiert sich mittlerweile im Internet, wobei die Internetpräsenzen meist von anderen Firmen, die auch die Webdesigner anstellen, betreut werden.

Mit der Weiterentwicklung der Technologie sind auch Websites, die vor mehreren Jahren entwickelt und im Internet öffentlich zugänglich gemacht wurden, immer wieder durch neue, und wie die Webdesigner meinen, bessere Seiten ersetzt worden. Ob diese neuen Seiten wirklich besser als die alten sind, wollen wir hier behandeln. Außerdem stellen wir die Frage, ob die Entwicklung des Webdesignsektors der IT-Branche in die richtige Richtung geht oder einen Irrweg einschlägt.

Die Geschichte des Webdesigns

Die Auszeichnungssprache HTML

Webdesign hat seine Ursprünge in der Auszeichnungssprache HTML, die mit dem „World Wide Web“ eng verbunden ist. Für das WWW, das Ende der 80er-Jahre ins Leben gerufen wurde, stellten sich neuartige Anforderungen an Datenpräsentation und Datenstrukturierung. Eine Auszeichnungssprache wurde erfunden und „Hypertext Markup Language“ genannt. HTML war von Anfang an als eine logische Auszeichnungssprache entworfen, die es erlaubte, in HTML-Dokumenten elektronische Verweise, sog. Hyperlinks auf Stellen desselben Dokuments oder auf andere Dokumente (auf derselben Website oder irgendwo im Internet) einzufügen.

Bei HTML werden Teile eines Dokuments durch Marken (engl.: „tags“) ausgezeichnet, um sie logisch zu strukturieren. Dadurch wird implizit auch ihr Aussehen im Browser des Benutzers festgelegt. Die Elemente werden zwischen spitze Klammern („<“, „>“) geschrieben; der Browser erkennt sie dann als Anweisungen und stellt sie nicht als Text dar. So können z. B. der Überschriftengrad eingestellt oder Aufzählungslisten definiert werden. Dazu benötigt man eine öffnende und eine schließende Marke. Die schließende Marke beinhaltet zusätzlich einen Schrägstrich (engl.: „slash“; „/“).

Das folgende Listing zeigt einen Ausschnitt aus einem HTML-Dokument, bei dem man sieht, daß es Überschriften mehrerer Ordnungen gibt und der Rest des Dokuments in Absätze und Aufzählungen etc. strukturiert wird:

<h1>Überschrift 1. Grades</h1>
<h2>Überschrift 2. Grades</h2>
<p>Dieser Absatz enthält Text</p>
<ul>
  <li>Aufzählungspunkt 1</li>
  <li>Aufzählungspunkt 2</li>
  <li>Aufzählungspunkt 3</li>
</ul>
<p>Hier steht wieder ein Absatz</p>

Manche Elemente, wie z. B. das Element, mit dem eine horizontale Linie eingefügt wird, besitzen keine schließende Marke. Bei diesen Elementen muß man einen Schrägstrich vor der schließenden spitzen Klammer der öffnenden Marke hinzufügen, damit klar wird, daß sich die Marke selbst schließt. Ein Beispiel für ein solches Element ist das Element hr, mit dem eine horizontale Trennlinie im Dokument erzeugt wird. Wir werden später im Artikel sehen, daß die Verwendung dieser und einiger anderer Elemente nicht unproblematisch ist. War es zu Anfangszeiten von HTML noch dem Dokumentautor überlassen, die Typnamen der Elemente groß oder klein zu schreiben, so haben in XHTML unterschiedliche Schreibweisen auch eine unterschiedliche Semantik.

[Illustration] Ein einfaches HTML-Dokument

Ein einfaches HTML-Dokument.

Was ich bis jetzt erzählt habe, hat zugegeben noch recht wenig mit Design zu tun. Man könnte sich vorstellen, daß ganze Bücher in elektronischer Form vorliegen und wie im Listing oben formatiert sind. Der Leser hätte kein Problem, die Struktur zu erkennen und das Buch zu verstehen. In der Praxis wird man dies aber nicht tun, sondern ein Programm schreiben, das die Daten in ein passendes optisches Format bringt. Dabei werden die Elemente in unterschiedliche Formate wie z. B. Schriftgrad gebracht und beispielsweise auf dem Bildschirm ausgegeben. Programme, die in der Lage sind, dies zu tun, nennt man Browser. Ein Browser kann weiters noch solche Dateien aus dem Internet laden und Hyperlinks, die auf andere Dokumente verweisen, nachgehen.

Das vorige Listing zeigt keine vollständige HTML-Datei, sondern nur den Textkörper. Damit die Seite auch in einem Browser angezeigt werden kann, müssen noch einige andere Elemente benutzt werden, die wir uns genauer ansehen wollen.

Der Aufbau eines HTML-Dokuments

Der Aufbau eines HTML-Dokuments ist denkbar einfach: Der gesamte Inhalt wird zwischen HTML-Elemente geschrieben. Alles, was außerhalb dieses Elements steht, zählt nicht zur HTML-Datei und sollte in einem Browser auch keinesfalls angezeigt werden. Hier ist ausreichend Platz für Informationen zu Copyright und andere Notizen, die sich beispielsweise der Autor der Seite gemacht hat. Innerhalb des html-Elements erfolgt eine Aufteilung in den Kopf des Dokuments und den Dokumentkörper.

Daten, die im Dokumentkopf angegeben werden, sind Meta-Informationen und werden nicht dargestellt. Man kann sich den Kopf-Bereich wie einen Umschlag eines Buches vorstellen, in dem der Titel sowie andere Informationen, die nicht Inhalt des Buches sind, dieses aber näher beschreiben, abgelegt werden. Der im Anschluß an den Kopf folgende Dokumentkörper enthält die Daten des Dokuments und entspricht somit den Seiten eines Buches. Dieser Teil kann so aussehen, wie im ersten Listing angegeben.

<html>
  <head>
    <title>Dokumenttitel</title>
  </head>
  <body>Textkörper</body>
</html>

In sog. meta-Elemente, die im Kopf des Dokuments verwendet werden können, besteht die Möglichkeit, Informationen über den Autor und das Datum, an dem das Dokument verfaßt bzw. zuletzt geändert wurde, anzugeben. Bis jetzt haben wir uns nicht über das Aussehen des Dokumentinhalts in einem Browser Gedanken gemacht, sondern uns lediglich mit der logischen Strukturierung befaßt. Wenn wir Code nur mit den bisher bekannten Mitteln strukturieren, dann kann man den Code auch wie ein Buch lesen. Überschriften, Aufzählungen, Tabellen und normaler Fliesstext sind durch die jeweiligen Elemente als solche markiert.

Von Struktur zu Design

Als HTML in den Kinderschuhen steckte, machten sich die wenigen Personen, die es benutzten, keine Gedanken darüber, wie man das Aussehen der in den Dokumenten enthaltenen Informationen spezifizieren könnte. Einerseits waren die Internetverbindungen, über die die HTML-Dokumente übertragen werden mußten, viel zu schwach und auf der anderen Seite gab es keine geeigneten Ausgabegeräte und keine ausreichende Leistung bei den Zielrechnern, um die Dokumente ordentlich darzustellen. Aus diesem Grund arbeiteten einige Browser auf Textbasis.

Das WWW wurde dann Mitte der 90er-Jahre immer populärer und die Leistung der Rechner nahm schnell zu. Weiters wurde die Hardware wesentlich leistungsfähiger und die Preise sanken. Firmen erkannten das WWW als das Medium zur Selbstdarstellung; sie waren bei Besitz einer eigenen Website leichter erreichbar und konnten sich außerdem präsentieren. Wie es nun in der Geschäftswelt so ist, mußten Farben und Schriften her, wer kommt schließlich mit reinem Text oder wenig Farben aus? Es erfolgte eine Erweiterung der HTML um Elemente, die nichts mehr mit logischer Auszeichnung zu tun hatten, sondern nur mehr das Aussehen im Browser definierten. Ein Beispiel dafür war das font-Element, mit dem man die Größe und die Schriftart eines Textabschnitts angeben konnte.

Gleich wie in der Werbung wurde nun im Internet wettgeeifert, die buntere und optisch ansprechendere Website zu entwerfen. Es wurde die Möglichkeit eingeführt, die Rahmen von Tabellen auszublenden und den einzelnen Zellen der Tabellen unterschiedliche Farben zu verleihen, womit die Tabelle für viele auch als Mittel zur örtlichen Strukturierung von Inhalten interessant wurde. Verschiedene Textteile packte man einfach in die Zellen von Tabellen, wobei es auch durchaus vorkam, daß Zellen leer blieben, Bilder enthielten oder Menüs darin untergebracht wurden.

In zunehmendem Maß gingen Personen, die Webdokumente entwickelten, davon ab, die Informationen logisch zu strukturieren, sondern führten die optischen Effekte von Überschrift und Fliesstext unter Zuhilfenahme von Elementen, die das Aussehen spezifizierten, herbei. Aus dem Code im ersten Listing wäre vielleicht folgender Code geworden:

<font face="Arial" size="+3"><b>Überschrift 1. Grades</b></font><br>
<br>
<font color="blue" size="+2">Überschrift 2. Grades</font><br>
<br>
<i>Dieser Absatz enthält Text</i><br>
<br>
<table border="0" cellpadding="0" cellspacing="0">
  <tr>
    <td width="20">&gt;</td>
    <td>Aufzählungspunkt 1</td>
  </tr>
  <tr>
    <td width="20">&gt;</td>
    <td>Aufzählungspunkt 2</td>
  </tr>
  <tr>
    <td width="20">&gt;</td>
    <td>Aufzählungspunkt 3</td>
  </tr>
</table>
<br>
<i>Hier steht wieder ein Absatz</i>

Das sieht doch schon wesentlich besser aus, oder etwa nicht? Die Überschrift in einer serifenlosen Schrift macht sich viel besser, man lernt ja schließlich in der Schule, daß Überschriften in serifenloser Schrift auf die Entfernung wesentlich besser zu lesen sind. Und was sagt man zu einer blauen Überschrift? Cool, was? Und erst dieser kursive Fliesstext, den kann man ja viel besser lesen und der drückt auch gleich viel mehr aus. Und weil wir besser sein wollen, als der kleine Fritzi von Nebenan, wechseln wir auch noch die Aufzählungszeichen gegen Pfeile. Das hat sonst niemand. Der Besucher wird begeistert sein und sich bei dieser Seite viel länger aufhalten, als bei der oben gezeigten, die ja so stinklangweilig aussieht. Sicher. Außerdem kann ich es mir sparen, die Elemente zur Strukturierung auswendig zu lernen, da ich ja sowieso alles mit Zeilenumbrüchen mache. Da ist man bedeutend flexibler und das Resultat spricht für sich.

[Illustration] Ein weiteres einfaches HTML-Dokument

Ein weiteres einfaches HTML-Dokument.

Wenn Sie gemerkt haben, daß der über der Abbildung angegebene Absatz nicht ernst gemeint war, dann sind Sie bereits auf dem richtigen Weg und haben etwas von Webdesign verstanden. Das, was in diesem Artikel folgt, mag für Sie zwar interessant, aber bereits bekannt sein. Haben Sie aber wirklich gedacht, daß dies ein ernst gemeinter Absatz war, dann sollten Sie unbedingt weiterlesen, da Sie etwas dazulernen können. Ja, Sie lernen, wie Sie Ihre Seiten noch schöner gestalten können. Ich weiß, was Sie jetzt denken. Herfried, der alte Schlaumeier will mir da wieder gescheit dreinreden, der ist ja nur neidisch. Ich bin doch nicht blöd. Der Hirf hat von Webdesign ja keine Ahnung. Meine Seiten sind alle super, skalierbar, Datenbank-basiert, verwenden JavaScript und PHP, sind performant, dynamisch, interaktiv, farbig, kreativ, multimedial, XML-basiert und und und… und äußerst benutzerfreundlich.

… und nun wachen Sie mal bitte auf. Zurück auf den Boden. Wo haben Sie denn das gelernt? Wer hat Ihnen denn diesen Bären aufgebunden? Haben Sie das wirklich geglaubt? Sie müssen ja blind gewesen sein, als Ihnen das jemand gezeigt hat. Apropos blind: Stellen Sie sich vor, Sie sehen nichts. Einfach gar nichts. Schrecklich, was? Sie können keiner ordentlichen Arbeit nachgehen, weil sie nichts sehen. Sie haben es schwer im Leben. Sie haben keine Freunde. Sie sitzen alleine vor dem Computer, den Sie nicht sehen. Und weil Sie nicht wissen, was Sie tun sollen, surfen Sie im Web. Ja, auch Blinde können das, habe ich mir sagen lassen. Und sie bekommen die Inhalte auf einem Brett, über das Sie Ihre Finger streichen lassen oder einen kleinen Lautsprecher am Ohr mit. Und der Computer lädt die HTML-Seite herunter und spricht je nach Überschriftengrad in einer anderen Lautstärke oder das Lesegerät stellt entsprechend anderen Text dar. Und Sie „sehen“ nichts, wirklich nichts, weil ein solcher Blödmann wie Sie es zuvor waren unbedingt cool sein wollte. Weil er die coolste Seite der Welt machen wollte. Die bunteste. Eine, wo die Überschrift ersten Grades keine Serifen hat und die zweiten Grades blau und nicht fett ist und der Fliesstext kursiv ist und die Aufzählung mit einer Tabelle gelöst ist, sodaß ihr Lautsprecher im Ohr Ihnen, der Sie nichts sehen, weismachen will, daß Sie es mit tabellarischen Daten zu tun haben.

Wenn Sie sich jetzt an den Kopf greifen und feststellen, daß Sie bisher Mist gebaut haben, dann haben Sie etwas gelernt. Es ist nicht jeder Mensch wie Sie, sondern es gibt auch andere Menschen, denen es nicht so gut geht wie Ihnen. Diese Menschen wollen auch an der heutigen Welt teilhaben, wie es auch wir tun, und haben es dabei schon schwer genug. Wir müssen Ihnen nicht auch noch einen Stein in den Weg legen, sondern sollten ihnen die Hand reichen und versuchen, Ihnen eine Hilfe zu sein. Spätestens jetzt sollte es im Gehirn knacken und der Titel des Dokuments ins Gedächtnis kommen: Webdesign versus Struktur. Da ist es wieder. Das erste Beispiel sah zwar vielleicht nicht so „schön“ aus, hatte dafür aber Struktur, wohingegen das zweite Beispiel überhaupt keine Struktur aufwies.

Ich bin mir bewusst, daß ich die Materie auch anders erklären hätte können, aber damit hätte ich sicher nicht so schnell mein Ziel erreicht. Es ist nun hoffe ich nicht mehr erforderlich, über die anderen coolen „state of the art“-Ausdrücke, die ich zuvor verwendet habe, zu schreiben und zu sagen, warum ich nichts davon halte. Trotzdem wird im nächsten Abschnitt das hier festgestellte kurz zusammenfassen und zusätzlich ein paar Hinweise geben, wie man seine Webdokumente am Besten gestalten kann.

Hinweise zur Gestaltung von Webdokumenten

Generelle Anmerkungen

Wenn man sich durch das Internet bewegt, wird man immer wieder auf veraltete Inhalte stoßen; Seiten, die einmal erstellt wurden und seitdem in Vergessenheit geraten sind. Auch wenn die eine oder andere dieser Seiten für den Benutzer brauchbar sein mag, behindern veraltete Seiten doch das Finden von Informationen. Als Autor einer Website sind Sie so lange für diese verantwortlich, bis sie wieder aus dem Netz genommen wird (auch dies ist problematisch, da dadurch Links, die auf die Seite verweisen, ungültig werden). Wenn eine Seite nicht gewartet wird, dann wirft dies ein schlechtes Licht auf den Ersteller.

Ein einfacher Weg, Dokumente im Internet mit einem Minimum an Aufwand aktuell zu halten, ist der Verzicht auf „state of the art“-Funktionalität. Das, was heute modern ist, kann morgen bereits wieder veraltet sein. Je mehr logische Auszeichnung im Text vorhanden ist, desto stabiler ist ein Dokument. Daher sollte vollständig auf die Spezifikation des Aussehens innerhalb eines Dokuments verzichtet werden. Logisch formatierte Daten können schnell in ein anderes System übernommen werden, ohne zuerst die logische Struktur rekonstruieren zu müssen. Gehen Sie bei der Gestaltung einer Seite immer davon aus, daß diese für die Ewigkeit gedacht ist und formatieren Sie den Inhalt dementsprechend zeitlos.

Die Wahl der Farben

Verwenden Sie nicht zu grelle bzw. sich schlagende Farben für Schrift und Hintergrund wie z. B. rote Schrift auf grünem Hintergrund. Da schmerzen einem bald die Augen. Am Besten hält man sich bei der Farbgebung an herkömmlichen Druckdokumenten, dann hat man keine Probleme mit dem Kontrast und man kann Text in gewohnter Art und Weise lesen. Mit drei Farben sollte man normalerweise auskommen: Der Seitenhintergrund, der Text, also Überschriften und Fliesstext sowie Hyperlinks.

Die Farben sollten nicht von den Standardfarben allzusehr abweichen, eine blaue unterstrichene Überschrift erweckt den Eindruck eines Hyperlinks und Links, die nicht unterstrichen, dafür aber in schwarzen Zeichen erscheint, wird man nicht als solche identifizieren können. Viele Internet-Nutzer sehen schlecht und haben Probleme, die Funktion der Elemente zu identifizieren, weshalb es wichtig ist, daß einem Standardformat gefolgt wird.

Die Wahl der Schriftarten

„Websites sind kein Buch“ – diesen Satz liest man oft in schlauen Büchern, in denen Autoren dazu motivieren wollen, Dokumente im Internet nicht wie einen gedruckten Text zu formatieren. Dieser Satz greift aber etwas zu kurz: Websites sind nämlich auch kein Bilderbuch. Beim Design einer Website sollte das Hauptaugenmerk auf die Inhalte gelegt werden und Inhalte bestehen zu einem großen Teil aus Text. Daher würde ich meinen, daß das zentrale Element im Webdesign die Formatierung des Textes ist. Wenn einem die Browservoreinstellungen für Schriftarten und Hinter- und Vordergrundfarbe von HTML-Dokumenten nicht gefallen, dann kann man notfalls auch selbst diese Einstellungen treffen. Dazu sollte man allerdings nicht den oben gezeigten Weg beschreiten, sondern beispielsweise auf Cascading Style Sheets zurückgreifen.

Es besteht die Möglichkeit, blinkenden Text oder Lauftext, auch Marquee genannt, zu benutzen, wodurch auch noch eine Zeitdimension in die Seite gebracht wird. Diese Effekte funktionieren erstens nicht auf allen Browsern und zweitens nerven sie den Benutzer.

Der Schreibstil

Wie bei gedruckten Texten läßt sich die Qualität eines Dokuments im Internet auch neben der typographischen Qualität an Schreibstil und Anzahl der Rechtschreib- und Tippfehler messen. Neue Autorensysteme bieten bereits eine Rechtschreibkontrolle an, die es erleichtert, Fehler in den Texten aufzuspüren und auszubessern. Besonders wichtig ist die Einhaltung der typographischen Konventionen für Interpunktion und Klammersetzung. Auf jeden Fall sollten Seiten vor der Veröffentlichung im Internet noch einmal genau durchgelesen werden.

Weiters sollten Absätze nicht zu lang sein und die Informationen passend durch Überschriften gegliedert werden. Der Benutzer tut sich dann beim Auffinden von Informationen wesentlich leichter und auf einem Ausdruck hat die Seite eine wesentlich höhere Qualität. Auf jede Seite sollte sich ein Link auf die Startseite befinden sowie der Namen und die E-Mail-Adresse des Autors und Datum der letzten Änderung angegeben sein.

Wenn innerhalb eines Textes über Hyperlinks auf andere Seiten verweisen wird, dann müssen diese richtig plaziert werden:

Falsch:

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie hier.

Richtig:

Weitere Informationen zu diesem Thema

Multimediale Inhalte

Große schöne Graphiken und Klänge beim Aufruf einer Seite mögen ja ganz nett sein, aber die Ladezeiten einer Seite verlängern sich dadurch auch. Außerdem will der Benutzer den Seiteninhalt ansehen und nicht unerwünschte Musik hören. Wenn Sie Bilder zeigen wollen, verwenden Sie eventuell kleine Vorschaugraphiken, sog. Thumbnails mit Größenangabe, damit der Benutzer sich die Graphiken selbst auswählen kann. Bei Thumbnails sollte es sich immer um einen eigenen Satz von verkleinerten Versionen der Originalgraphiken handeln, damit die Ladezeit niedrig gehalten werden kann.

Versehen Sie Ihre Graphiken mit Alternativtexten (<img src="./image.gif" alt="Alternativtext".../>). Damit sieht der Benutzer schon vor dem Laden bzw. wenn er die Graphikanzeige ausgeschaltet hat, was sich hinter der Graphik verbirgt. Benutzer, die nicht sehen und den Inhalt der Seite vorgelesen bekommen, werden dankbar sein, wenn sie zumindest wissen, was auf einem Bild zu sehen ist. Bei Graphiken sollte auf jeden Fall auch die Größe angegeben werden (<img src="./image.gif" alt=... width="20" height="50"/>). Der Browser läßt dann entsprechend viel Platz frei, wenn der Benutzer die Graphikanzeige ausgeschaltet hat; das selbe gilt, wenn eine Graphik nicht übertragen wird. Die Seitenform bleibt dann von der Platzverteilung her so, wie sie eingerichtet wurde.

In einer seriösen Seite werden keine Animationen (QuickTime, RealMedia, Flash etc.) eingebunden. Animationen haben eine lange Ladezeit und stören den Benutzer. Es ist zu bedenken, daß viele Internet-Nutzer nur ein beschränktes Downloadvolumen haben und daher sicher nicht über unerwünschte Downloads von Animationen erfreut sind. Videomaterial sollte immer in einem eigenen Fenster geöffnet werden oder überhaupt nur gepackt als Download bereitgestellt werden.

Interaktivität wird immer wieder als essentieller Bestandteil einer „guten“ Website gewertet, weshalb oftmals auf Flash-Animationen und Java-Applets zurückgegriffen wird. Flash-Animationen sind für Benutzer mit Behinderungen fast nicht zugänglich, daher sollte man sie nicht verwenden. Das selbe gilt für Java-Applets. Java und Flash sind kommerzielle Technologien und daher sollten in der Welt eines offenen Internet, bei dem man Informationen herauskopieren können soll, keinen Platz finden. Interaktive Seiten und jene, auf denen es viel Bildmaterial und dynamische Inhalte gibt, enthalten meist keine oder wenig brauchbare Informationen und sind für den Besucher wertlos. Das Internet ist schließlich kein Kindergarten, sondern ein Medium zum Informationsaustausch. „Fun“ ist hier absolut fehl am Platz. Interaktivität und Dynamik einer Seite ist meist mit geistiger Leere verbunden.

Schlußwort

Obwohl sich das WWW rasch weiterentwickelt hat, wurde es dadurch nicht benutzerfreundlicher. Die neuen Technologien bewirkten, daß vielen Benutzergruppen der Zugang zum Internet verwehrt wurde. Waren Webdokumente anfangs so flexibel, daß sie auf verschiedensten Ausgabegeräten dargestellt werden konnten, können die meisten HTML-Dokumente heutzutage nur mehr auf eine Bildschirm korrekt betrachtet werden. Daher wird es auch zunehmend erforderlich, mehrere Versionen der Seiten für die verschiedensten Ausgabegeräte zu erstellen. Man wünscht sich, die Zeit 10 Jahre zurückdrehen zu können, um die Entwicklung in eine andere Richtung zu lenken. Viele haben sich damit abgefunden, daß Webdesign bedeutet, möglichst optisch individuelle und in ihren Augen ansprechende Seiten zu gestalten.

Doch der Zug ist noch nicht abgefahren, noch besteht die Möglichkeit, etwas zum Positiven zu bewegen. Jeder, der eine eigene Website besitzt, sollte sich den Gedanken, der hinter dieser Seite steht, zu Herzen nehmen. Es bedeutet keinerlei Mehraufwand, Dokumente so zu gestalten, daß möglichst viele Mitmenschen davon profitieren können. Man kann dann zwar vielleicht nicht mit einem ausgefallenen Design prahlen, verspürt aber ein Gefühl tiefster innerer Freude, etwas für die Menschheit getan zu haben.

Weiterführende Literatur

Blinde und sehbehinderte Menschen im Internet (Matthias Hänel)

Die Website eines Blinden, der Informationen zu Zugänglichkeit bereitstellt und die Probleme und Chancen von Blinden in Bezug auf das Internet erläutert.

Not the comp.text.sgml Frequently Asked Questions List (Joe English)

Informationen zur Terminologie im Gebiet der SGML.